Géraldine Hélène Schramm
Géraldine Hélène Schramm    

Soundalikes

Johann und Adele in Coburg

Das Landestheater Coburg mit Géraldine Hélène Schramm in Kooperation mit SVK Design gestalteten 2012 auf den Design Tagen in Coburg eine interaktive Inszenierung rund um den Komponisten Johann Strauß (Sohn) und seine Frau Adele, die sich  125 Jahre zuvor in der Schlosskirche der Ehrenburg das Ja-Wort gegeben hatten.

Durch die Projektionen verschiedener 360°-Panoramen auf vier verschiedenen Flächen konnten die Besucher der Designtage auf Großleinwänden interaktive Rundgänge durch verschiedene Landschaften und Sehenswürdigkeiten in Coburg Stadt und Land erleben und, unter Anleitung, selbst gestalten. In der Anliefer-Halle des ehemaligen C&A-Gebäudes, in dem noch kurz zuvor Paletten vom LKW geladen wurden, konnte man nun virtuell  durch die Ehrenburg wandern oder  auch eine Zeitreise in die Räume der Designtage 2011 erleben. Zu den einzelnen Themenbereichen erfuhren die Besucher Wissenswertes und Unterhaltsames von Frederik Leberle (Schauspieler am Landestheater Coburg).

Zusätzlich wurden an zwei Abenden durch Live-Performances des Philharmonischen Orchesters des Landestheaters Coburg das Werk „soundalikes“ des Musikers Michael Iber uraufgeführt. Grundlage dieser „wieder Musik gewordenen Abbilder von Musik“ ist der Donauwalzer von Johann Strauss. Näheres zu diesem kompositorischen Verfahren erfuhr der Besucher in dem Hörstück „soundalike: music collection II“, einer Produktion des Hessischen Rundfunks 2011, das die Ausstellung begleitete.

 

Zur Raumgestaltung:

Vier Leinwände bildeten ein Viereck und somit einen fast geschlossenen Raum. An den Ecken war der entstehende Innenraum zugänglich. Innerhalb der Leinwände entstand ein Raum der zum entspannten Erleben einlud. Auf jeder Leinwand war ein anderer Themenbereich zu erblicken.

  1. „Zeitreise Designtage 2011“ und „Coburg bei Nacht“
  2. Virtueller Rundgang durch Rödental (Glasmuseum, Rosenau, Rödental, Coburger Unterwasserwelt)
  3. Veste und Schloß Callenberg
  4. „Johann Strauß in Coburg“- Schloßkirche der Ehrenburg (auch zu den Soundalikes-Performances zu sehen)

Im „Entspannungsbereich“ wurden Sitzgelegenheiten von der Firma „Relax your life“ zur Verfügung gestellt. Außerdem war der Kubus auch von außen zu betrachten, da die Leinwände gut durchleuchtet waren. Im sogenannten „Aktionsbereich“ vor den Leinwänden befanden sich Tische mit den Laptops, die die einzelnen Leinwände steuerten. Dort konnten die Besucher ihren Weg aktiv durch die Sehenswürdigkeiten per Mouseclick dirigieren.

 

Hinter meinem Konzept steht die Idee des begehbaren und interaktiven Bühnenbildes, das sich in absehbarer in neuen Projekten niederschlagen wird.

 

Johann und Adele Strauß
Foto: Jochen Berger

Coburger Tageblatt - 7. Juni 2012

(Jochen Berger)

 

Verzaubert: Ehemalige Laderampe wird zur Schlosskirche

 

Nackte Betonwände,angestaubt und angeschrammt,Lüftungsrohre an der Decke, ein Feuerlöscher an einem Betonpfosten, die beiden Flügel eines großen Tores, das im Moment eigentlich niemand mehr braucht. Hier sind noch vor wenigen Monaten die Lieferungen für C&A ausgeladen worden. Jetzt hängen hier in einem offenen Quadrat Leinwände für Videoprojektionen. Darauf zu sehen: die prachtvolle barocke Schlosskirche der Ehrenburg in schwebenden Innenansichten. Dazu erklingt Musik – schön un fremd, manchmal seltsam vertraut und dann plötzlich wieder irritierend anders. An den Ecken des Quadrats: kleine Podien für vier Musiker, die ein ungewöhnlich besetztes Streichquartett bilden: zwei Violinen, Viola und Kontrabass anstelle des üblichen Cellos. „Johann & Adele in Coburg“ steht draußen in aufgeklebten schwarzen Lettern an der Tür. Johann&Adele? Irgendwann schält sich ein melodisches Fragment aus den weich fließenden Linien. Es klingt wie ein ferner Gruß an den Donau- Walzer von Johann Strauß, um dann doch gleich wieder zu entschweben. Gemahnt das aber nicht auch ein wenig an Arvo Pärt? Oder tönt diese Musik doch wie eine ferne, gleichsam objektivierte Erinnerung an den Anfang von Beethovens spätem cis-Moll-Quartett op. 131?

 

„Soundalikes“ hat der in Berlin und Coburg lebende Musiker Michael Iber seine Huldigung an den Walzerkönig und dessen „Schöne blaue Donau“ genannt. „Soundalikes“ – mit diesem Begriff

bezeichnen Film- und Werbekomponisten tantiemenfreie Analogien zu bekannten Originalkompositionen. Michael Iber aber bezeichnet damit „wieder Musik gewordene Abbilder von Musik“. Das klingt kompliziert und ist im live musizierten Ereignis dennoch keineswegs abstrakt.Ausgangspunkt ist eine Spektralanalyse, die Musik als Abbild sichtbar macht. Mit Hilfe einer von ihm selbst entwickelten Software gewinnt Iber aus dieser Analyse wiederum eine Partitur, die schließlich wieder in Musik zurück verwandelt wird. Das Resultat ist im Falle des Donau-Walzers ein gleichsam in einzelne Schichten zerlegtes Abbild des Originals – zarte, schwebende Klänge, die bisweilen abrupt abreißen, drei, vier endlos lange Sekunden schweigen und dann doch wieder ansetzen. Megumi Ikeda, Daniela Steinmetz, Veronika Pfrang und Dietmar Engels, Mitglieder im Philharmonischen Orchester des Landestheaters, bringen diese Strauß-Verwandlungen am Eröffnungsabend der Coburger Designtage im ehemaligen C&A-Gebäude in der Ketschengasse zur Uraufführung. Eine heikle Mission, die freilich bemerkenswert klangsinnlich gelingt. Über Ohrhörer erhalten die Musiker metronomisch korrekte Impulse, die das Zusammenspiel koordinieren. Und irgendwann beginnen dann die Bilder der Schlosskapelle gleichsam zu den unhörbaren Walzer-Klängen von Strauß zu tanzen. Im August vor 125 Jahren hat Strauß einst in eben dieser Schlosskirche seiner Adele das Ja-Wort gegeben. Géraldine Hélène Schramm, hat diese interaktive Inszenierung konzipiert und das gesamte Projekt organisiert und beschert dem Walzer-König zum nahenden 125. Hochzeitstag eine wahrlich unerhörte Huldigung. Die interaktive Inszenierung „Johann & Adele in Coburg“ wird von der Niederfüllbacher Stiftung finanziell gefördert und mit Unterstützung der Rödentaler Firma SVK Design umgesetzt. 

 

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