Géraldine Hélène Schramm
Géraldine Hélène Schramm    

  Papy - BELLE Époque und Schützengräben

Trailer zu PAPY -

Belle Époque und Schützengräben im Monsun Theater

 

 

 

 

www.nachtkritik.de - 14.09.2015 von Birgit Schmalmack

 

Lieder vom Krieg und von der Liebe

Weiße Bälle hängen von der Decke oder liegen verstreut auf den grünen Rasenstreifen. Doch die Wörter, die später auf sie projiziert werden, passen so gar nicht zur heiteren Ausgangsstimmung: „Verwundet, Wimmern, Kanonade, Angriff“. In die ländliche idyllische Kindheit und Jugend des französischen Ur-Großvaters Papy bricht die brutale Wirklichkeit des ersten Weltkrieges. Seine Tagebuchaufzeichnungen bilden für seine Ur-Enkelin Géraldine Hélène Schramm den Ausgangspunkt ihres Regieprojektes „Papy - Belle Époque und Schützengräben„, das sie jetzt im Monsun Theater auf die Bühne brachte.

In Erinnerungsbruchstücken entstehen Bilder einer sorglosen Kindheit auf dem Dorf, die 1914 ein jähes Ende hatte. Papy wurde eingezogen und tauschte Kühe, Wiesen, Freunde und Flüsse gegen Schützengräben, Schrapnellen, Verwundete und Tote. Er hatte Glück und überlebte. Seine Lieblingsenkelin sollte später einen Deutschen heiraten. Wenn er das zu Zeiten des Krieges gewusst hätte, hätte er ganz anders auf den anderen Schützengraben geblickt, meint er einmal während des Abends.

Veronique Elling und Otwin Biernat spielen, lesen und erzählen die Tagebucheintragungen des Großvaters. Lebendig werden sie nicht nur durch die geschickte Verschneidung von Friedens- und Kriegszeiten und von dem Spiel mit den weißen Bällen, das eine Leichtigkeit in die Schwere des Gesagten bringt, sondern auch durch die stimmungsvollen französischen Chansons, die Elling mit unnachahmlichen Einfühlungsvermögen, Wärme und Tiefgang vorträgt. So erzählt dieser Abend nicht nur vom Krieg sondern vor allen Dingen vom Leben, von der Liebe und der Hoffnung.

 

 

Hamburger Abendblatt - 15.09.2015 - von Stefan Reckziegel

 

Ein Stück deutsch-französischer Freundschaft

 

Die Inszenierung "Papy – Belle Epoque & Schützengräben"

im Monsun Theater überzeugt

 

Hamburg.  Die deutsch-französische Freundschaft gilt heutzutage mit der Achse Berlin-Paris als ein Garant eines weitgehend geeinten und für die meisten Bürger friedlichen Europas. Beileibe keine Selbstverständlichkeit. Auch die Generation, die zwischen dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 und dem Ersten Weltkrieg aufwuchs, kam in diesen Genuss – bis viele Männer aufs (Schlacht-)Feld mussten.

Auf dem Feld spielt "Papy – Belle Epoque & Schützengräben" zeitweise auch,

die Kulisse des im Monsun Theater uraufgeführten Stücks von Géraldine Hélene Schramm gleicht aber eher einer Spielwiese. Vier in die Tiefe verlaufende Kunstrasenstücke und sieben verschieden große Gummibälle geben der Bühne, von Francoise Hüsges gestaltet, einen derartigen Charakter. Dass die Bälle auch als Projektionsfläche von Daten und Fakten dienen, ist einer der originellen Kunstgriffe.

Was den Text betrifft, hat sich Nachwuchsregisseurin Schramm an den Aufzeichnungen ihres Urgroßvaters orientiert. Dessen Tagebuch ist schon blutbefleckt, als es ins Spiel kommt. Dennoch versteht es die Regisseurin, Erinnerungen an dessen unbeschwerte Kindheit in der Champagne wachzurufen. Die spätere Dominanz der Nation über das Individuum deutet sich an, indem alte Tücher und Klamotten in Blau, Weiß und Rot zur Trikolore zusammengefügt werden. Otwin Biernat überzeugt vor allem als verzweifelter, befehlsverweigernder Soldat. Beklemmend, aber stimmig begleitet von Artilleriegeräuschen und Maschinengewehrsalven sowie Lichteffekten.

Véronique Elling glänzt in mehrfacher Hinsicht: Außer "die Kleine", die erste Flamme des jungen Franzosen, ist sie als dessen Alter Ego seine innere Stimme. Und sie interpretiert zu Klavierbegleitung hervorragend Chansons von Jacques Brel. Lieder wie "Le Plat Pais" ("Das flache Land") oder "Au suivant" ("Der Nächste, bitte") stammen zwar aus den frühen 1960er-Jahren, helfen aber, am Ende den Bogen bis zur Gegenwart zu spannen. Wiederum mithilfe von Projektionen auf den Bällen. Nicht nur das ist ein Lichtblick.

Weiter mit Klick auf das Bild
Weiter mit Klick auf das Bild

Mehr Fotos auf Les nouvelles petites merveilles

(Weiter mit Klick auf das Bild)

 

 

Am 09.09.15 um 20 Uhr findet im Monsun Theater (Friedensallee 20) die Uraufführung von „Papy-Belle Époque und Schützengräben“ unter meiner Regie statt.

 

Das frankophile Ensemble begibt sich auf die Spur einer Generation, die im Frieden zwischen deutsch-französischem und Erstem Weltkrieg aufwuchs. Aus den Aufzeichnungen meines Urgroßvaters entsteht lebendig das Bild einer sorgenfreien Kindheit in der Champagne, die im Schrecken der Schützengräben jäh endet.

 

Der inszenierte Text stammt zu 90% aus der Feder meines französischen Urgroßvaters- zusätzlich habe ich reflektierende Dialoge geschrieben, beziehungsweise sie mit meinem Ensemble (Véronique Elling und Otwin Biernat) erarbeitet.

 

Weitere Aufführungen (jeweils um 20 Uhr) am:

 

Donnerstag, den 10.09.15

Freitag, den 11.09.15

Donnerstag, den 17.09.15

Freitag, den 18.09.15

Samstag, den 19.09.15

 

Für November 2015 sind weitere Termine geplant.

 

Der größte Teil der Handlung von „PAPY“ (was übrigens ein in Frankreich üblicher Kosename für Großväter ist) spielt in einem kleinen Dorf namens Louze (Frankreich) zu Zeiten der Belle Époque und rund um den Ersten Weltkrieg.

Ich lasse aber auch die Gedanken meines Urgroßvaters im Stück zur deutschen Familie schwenken, die er 70 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg durch die Hochzeit seiner Enkelin kennen lernte.

Kleinwaabs/Schleswig-Holstein ist der Ort an der Ostsee, in dem meine Uroma Frieda (geborene Krüger) und ihr Bruder W.Krüger um die Jahrhundertwende aufgewachsen sind.

Mein „Papy“ beschreibt sehr oft die Pappeln, die es in und bei seinem Dorf gab.

Als ich zu Recherchezwecken nach Kleinwaabs fuhr, fiel mein Blick hinterm Geburtshaus und dem angrenzenden Rapsfeld auf Pappeln.

Die dramaturgische und historische Verknüpfung zwischen den Nationen und den beiden Strängen meiner Familie lag umso mehr auf der Hand.

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© les-merveilles