Géraldine Hélène Schramm
Géraldine Hélène Schramm    

Samba Samba

Neue Presse - 7. Februar 2011

(Bernd Schellhorn)

 

Im Bann der Latino-Rhytmen

 

 Als es dämmerig wird im Großen Haus, tanzt versunken ein jugendliches Paar einen argentinischen Tango. Hingebungsvoll setzen sie ihre Schritte, verweilen, schaukeln die Bewegung aus dem Becken. Ein ruhiger Fluss entsteht aus dem Tanz. Das Publikum ist angetan von der Grazie der Tanzenden und es ist unerheblich, dass dazu keine Musik erklingt. Denn Tanz entsteht aus dem Tun im Miteinander. Die Einstimmung auf das Konzert geschieht in dieser sehr spannungsvollen Intimität. (...) Das Orchester unter der Leitung von Hans Stähli startet mit Morton Goulds „Symphonette 4“, ein viersätziges Werk, bestehend aus I. Rumba, II. Tango, III. Guaracha und IV. Conga. (...) Um die vier "untanzbaren" Tänze herum entspinnt sich allerdings ein witziger Dialog aus Katja Weinberg und Dirigent Hans Stähli, in dem wir so einiges über die Latino-Grooves erfahren – teilweise sogar mitklatschend. Es ist immer gut, wenn Wissen mit Humor vermittelt wird, und wir lachen viel: Über eine verlegte Fielmann-Brille, ohne die man nicht Klavier spielen kann. Über Katja Weinberg, die mit einer ungeladenen Pistole einen Taktwechsel ankündigt. Über Hans Stähli, der leider, wie er mit feiner Selbstironie zugibt, „Bewegungen aus dem Fußgelenk nur noch aus der Krankengymnastik kennt“. (...) Dann gab es die „eisgekühlte Coca-Cola“, geklaut aus der pfiffigen „Chiu-Chiu“ von Nicanor Molinare, und als Abschluss „La Cucaracha“ in einem Arrangement des Dirigenten Hans Stähli. Lisa Lorenz und Sascha Weinberg tanzen dazu im Spiegelsaal (und später darf jeder, der Lust hat, unter der kundigen Anleitung von Katja Weinberg die Grundschritte probieren und mitmachen).

(...)Der große Beifall für das Konzept, den das Publikum am Ende spendete, zeigt von der Lust auf Mehr.

 

Coburger Tageblatt - 07. Februar 2011

(Jochen Berger)

 

Rhythmus und intensive Leidenschaft

 

Dieser Vormittag erzählt die Geschichte einer keineswegs spannungsfreien Beziehung. Musik und Tanz – das klingt im ersten Moment nach ganz selbstverständlicher Harmonie, nach Klängen, die in Bewegung verwandelt werden. In Wirklichkeit aber ist diese Begegnung viel komplizierter – sogar dann, wenn scheinbar bekannte Tänze wie Rumba und Tango auf dem Programm stehen. Mit dem Etikett „Samba, Samba!“ lockte am Sonntag das Jugendkonzert des Landestheaters zahlreiche Zuhörer an – keineswegs nur Zuhörer jugendlichen Alters. Sie wurden Zeugen einer hindernisreichen, gerade dadurch aber kurzweilig in Szene gesetzten Annäherung. Denn Standardtänze und Kunstmusik, dieser Vormittag bewies es, sind  Phänomene aus ganz unterschiedlichen Sphären. „Nein, nein, darauf kann man gar nicht tanzen“, klagte Moderatorin Katja Weinberg in gespielter Verzweiflung bei der einleitenden Rumba aus Morton Goulds Sinfonietta „Latin-American“. Und tatsächlich wollten die akkuraten Bewegungsabläufe des jungen Tanzpaares Lisa Lorenz und Sascha Weinberg gar nicht so recht passen zur rhythmischen Vielfalt, die Gould als 20-Jähriger in seiner 1933 entstandenen Sinfonietta bündelt. (...) Nicanor Molinares „Chiu Chiu“ und der Evergreen „La Cucaracha“ (in einem effektvollen Arrangement aus der Feder Hans Stählis) begeisterten das Publikum dann restlos.

Foto: Jochen Berger

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