Géraldine Hélène Schramm
Géraldine Hélène Schramm    

SCHÖPFUNG

 Coburger Tageblatt - 4. Oktober 2011

(Gerhard Deutschmann)

 

Kühnes Chaos, siebentönig

 

Wer hat die Welt erschaffen? War es der „Urknall“ oder der „Liebe Gott“? Solche und ähnliche Gedanken spielten (…)unter dem Titel „Die Erschaffung der Welt“ allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Hören sollten die Kinder vielmehr, wie Komponisten sowohl die Weltschöpfung als auch die Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft in Musik gesetzt haben. Hierzu boten sich zwei Werke aus unterschiedlichen Epochen an, deren Entstehungszeit rund zwei Jahrhunderte auseinander liegt: Die Suite „Les Élémens“ des Franzosen Jean- Féry Rebel aus dem Barock und die Ballettmusik „La création du monde“ von Darius Milhaud, welcher der neoklassischen „Groupe de Six“ angehörte. Jean-Féry Rebel war für seine Zeit außerordentlich kühn.So schildert er das „Chaos“ mit einem siebentönigen, dissonanten Akkord. Fantasie zeigt er in der Schilderung der Elemente: Für die „Luft“ verwendet er hohe Instrumente wie Piccoloflöten und Violinen, für die „Erde“ tiefe (Cello, Kontrabass, Fagott). Das fließende Wasser wird mit großen Querflöten dargestellt, das sprühende Feuer mit jähen Violinfiguren. Die kindgemäßen Texte (auch Konzeption und Regie) stammten von Géraldine Hélène Schramm und wurden in lockerer Form von den Schauspielern Nils Liebscher und Niklaus Scheibli dargeboten. Für die fundierten musikalischen Erläuterungen war in bewährter Weise Hans Stähli zuständig. Auch das Publikum wurde mit einbezogen und musste die geschilderten Elemente erkennen und mit Armbewegungen darstellen. Das kleine Instrumentalensemble des Philharmonischen Orchesters musizierte wendig und tonschön unter der überlegenen Leitung seines Dirigenten.

 

Zwei Violinen, Cello, Kontrabass, eine Reihe von Holz- und Blechbläsern samt Saxophon, Klavier und Schlagwerk bietet Darius Milhaud auf, um seine „Erschaffung der Welt“ darzustellen, deren Musik schwungvoll und sowohl vom Jazz als auch von südamerikanischer Folklore geprägt ist. Hier erlebte

man als „Krone der Schöpfung“ das erste Menschenpaar, in einer kleinen Ballettszene (Choreographie Manuela Mazzei von der Ballettschule am Ketschentor) sympathisch von Maarten Flessa und Paulina Mertl dargeboten. Kinder mit lustigen Tiermasken durften auftreten und tanzen.

Abermals bot das Orchester vorzügliche Leistungen unter der präzisen und sorgsam gestaltenden

Leitung von Hans Stähli. Der lang anhaltende Beifall zeigte, wie auch nicht gerade kindgerechte, anspruchsvolle Musik liebevoll für ein junges Publikum aufbereitet werden kann.

 

 

NEUE PRESSE - 4.10.2011

(Bernd Schelhorn)


Feuer, Wasser, Gummibärchen

 

Instrumente kennen lernen, musikalische Motive erkennen und ein erstes Tänzchen auf der Bühne wagen. (...)

Wenn Kinder mitmachen dürfen, einbezogen werden und sich bewegen dürfen, dann vergeht eine Stunde Konzert wie im Fluge. (...)  Die Instrumente des Orchesters kennt jetzt jeder beim Namen. Die Musiker zogen sich sogar farbige Jacketts an, damit sich das junge Publikum besser orientieren konnte.In der barocken Suite des Jean-Féry Rebel wurden nämlich die vier Elemente Luft, Erde, Wasser und Feuerdurch klanglich passende Instrumente dargestellt: Die Luft durchhohe Töne der Piccolo-Flöten, die Erde durch tiefe Streicher und das Feuer von fauchenden Violinen. Nach der kindgerecht-witzigen Moderation der Erzähler Nils Liebscher und Niklaus Scheibli sowie den erklärenden Worten von Dirigent Hans Stähli war es leicht, die musikalischen Motive der Elemente heraus zu hören und mit Winken deutlich zu machen, dass man diese erkannt hatte. Zur Belohnung für diese Anstrengung flogen in Tüten verpackte Gummibärchen ins Publikum. Natürlich fand die Konzeption von Géraldine Heléne Schramm (Text und Regie) große Zustimmung und wurde ausgiebig mit Beifall bedacht. Sehr liebenswürdig und in feiner Sprache erklärte die Rahmenhandlung (um die musikalischen Werke)

die Farben auf den Landkarten, das elementare Klangspektrum der Instrumente und kompositorische Raffinessen ebenso wie die alttestamentarische Schöpfungsgeschichte bis zum Menschen. Zu Darius Milhauds Ballettmusik „La création du monde“ tanzte dann der erste Mann mit Partnerin (Maarten Flessa und Paulina Mertl, die Choreographie übernahm Manuela Mazzei vom Ballettstudio am Ketschentor). Gut gelaunt und sehr galant spielte das Orchester diese anspruchsvolle und sehr jazzige Tanzsuite. Teilweise stellten sich die Orchestermusiker sogar mit Namen vor, eine außergewöhnlich gute Idee, denn so wurden aus meist anonym agierenden Instrumentalisten wache und sympathische Menschen. Konzentriert- ruhig, aber mit emotionaler Teilnahme verfolgten die Kinder und deren Begleitung das abwechslungsreiche und pädagogisch-kluge Programm. Alle Kinder, die sich eine passende Verkleidung als Tier oder Blume mitgebracht hatten, tanzten zum Konzertabschluss auf der Bühne des Großen Hauses mit und waren somit in den Ablauf der „Erschaffung der Welt“ direkt mit einbezogen. „Schade, dass nicht mehr Kinder da waren“, sagte eine begeisterte Mutter nach dem Schlussapplaus angesichts der vielen freigebliebenen Sitze.

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