Géraldine Hélène Schramm
Géraldine Hélène Schramm    

"KÄTHE, GRETE und DU" in Coburg

Die Regisseurin Géraldine Schramm trägt gemeinsam mit der Schauspielerin und Sängerin Ulrike Barz sowie dem Lautenspieler Heiko Schmiedel, zum Rahmenprogramm der Großen Landesausstellung 2017 bei. Gegenstand der eigens dafür geschriebenen Monologe ist der Lebensweg von Frauen, deren Schicksale eng mit Coburg verbunden sind.

 

„Katharina, die Regentin“

(Katharina von Henneberg: 1334-1397)

 

„Argula, die Reformatorin“

(Argula von Grumbach: 1492-1568)

 

„Anna, die Ehebrecherin“

(Anna von Sachsen: 1567-1613)

 

„Margarete, die Bodentantzerin“

(Margareta Ramhold: 1570-1628)

 

 

Vier Frauen - Vier Leben, wie sie unterschiedlicher nicht verlaufen könnten. Und doch scheint ein unsichtbares Band sie zu einen...

REPORTAGE ZU UNSEREN VIER FRAUEN:

https://www.itv-coburg.de/vier-frauen-fuer-coburg

KRITIK AUS DEM COBURGER TAGEBLATT:

 

 

 

KRITIK AUS DER NEUEN PRESSE

 

Coburg - Sie hört sie kommen. Sie werden sie holen. Auf den Karren zum Scheiterhaufen in der Hohen Straße fahren. Es wird ihr heiß. Sie hofft nur noch, dass es schnell vorübergeht . . . Neben der kleinen Bühne erscheint eine Projektion mit rot-gelb lodernden Flammen, und es wird sehr still im Saal der Gaststätte "Münchner Hofbräu". Bewegt lässt das Publikum Augenblicke verstreichen, um sich zu sammeln und das eben Gesehene zu verarbeiten. Erst dann folgt donnernder Applaus für die Schauspielerin und ehemalige Musical-Darstellerin am Coburger Landestheater Ulrike Barz-Murauer.

Unter der Regie von Geraldine Schramm hat die in Hamburg lebende Künstlerin in eindrucksvollen und berührenden Monologen das Leben von vier Coburger Frauen nachgezeichnet. Unter dem Titel "Käthe, Grete und Du" entstand ein historisch-menschliches Lebensbild von Katharina von Henneberg, Argula von Grumbach, Anna von Sachsen und Margareta Rambold.

Letztere lebte von 1570 bis 1628 und wurde nach mehreren Tagen schwerer Folter im Coburger Hexenturm als Hexe hingerichtet. Ulrike Barz-Murauer wendet sich als "Margareta, die Bodentantzerin" an ihren Schwiegersohn Johann Matthäus Meyfart, Doktor der Theologie, Schriftsteller und ab 1623 Rektor des Coburger Gymnasiums Casimirianum. Laut schreit sie ihre Verzweiflung, Wut, Trauer und Schmerzen hinaus, das Unrecht, als Hexe bezeichnet zu werden, die unerträglichen Qualen der Folter (nicht schlafen, nicht trinken, Daumenschrauben, brennende Federn, die ihre Achseln versenken) und sehnt das Ende herbei. Als Bühnenbild dient lediglich ein Tisch, auf dem sie sich, von Schmerzen gepeinigt, kaum bewegen kann.

Ähnlich ergreifend, doch etwas weniger beklemmend und aufrührend gibt Barz-Murauer Einblick in das Leben Anna von Sachsens, der Ehebrecherin. Johann Philipp Kriegers "An die Einsamkeit" erklingt mit Unterstützung des Lautenspielers Heiko Schmiedel hinter geschlossenem Vorhang. Bewegend interpretiert sie zunächst musikalisch im Nachtgewand die Gefühle der am Dresdner Hof aufgewachsenen Gattin des Herzogs Casimir, mit dem sie ein stilles Abkommen hatte, "jeder durfte mit dem das Lager teilen, der ihm gefiel, wir waren doch nur wie Bruder und Schwester", ein Abkommen, das ihr jedoch als Frau nicht zugestanden wurde. Als Ehebrecherin verurteilt, lebte sie zwanzig Jahre in Isolationshaft, davon viele Jahre im Fürstenbau der Veste, wo sie mit 45 Jahren verstarb.

Doch das eineinhalbstündige Programm trägt auch durchaus komisch-schräge Züge: Forsch, ein wenig frech und sich ihrer weiblichen Anziehungskraft durchaus bewusst, gibt sich Barz-Murauer als Argula von Grumbach. Mit Absicht ist der Dialog zwischen der intelligenten und redseligen Reformatorin und dem "Dr. Martinus" auf der Veste als Monolog inszeniert. So ganz wusste Luther wohl nicht, was er der komischen Dame entgegensetzen sollte, die ihm herzerfrischend witzig erst einmal berichtet, wie das Abstillen eines Babys funktioniert. So schwieg er lieber und widmete ihr ein Betbüchlein, das keine Gespräche erforderlich machte.

Die vierte im Bunde der Coburger Frauen, die Geraldine Schramm und Ulrike Barz-Murauer bewegten und deren Geschichten sie anrührten, ist Katharina von Henneberg, die bereits mit zwölf Jahren mit Friedrich dem Strengen von Meißen verheiratet wurde und nach dessen Tod die Regentschaft über die Ländereien übernahm - ungewöhnlich für eine Frau der damaligen Zeit (sie lebte von 1334 bis 1397).

Mit den eindrucksvollen und ausdrucksstarken Monologen bietet die bravouröse Solistin Geschichte im Schnelldurchlauf, packend und spannend verpackt, vermischt mit starken Emotionen und Gefühlen, die den Zuschauer mitreißen.

Einfühlsam und beruhigend wirkt das Lautenspiel, das Heiko Schmiedel zwischen den Text-Teilen bietet. Mit Werken von John Dowland, Henry Purcell und Liedern von Martin Luther wird dem Programm das Schwere, Aufwühlende etwas genommen, die musikalischen Übergänge laden ein zum Durchatmen und Sammeln, verbreiten ein Gefühl der Romantik und Ruhe. Historisches Wissen erscheint zu jeder Frau in Kurzform als Projektion an der Wand. Ein gelungener Abend, der Geschichte, Gefühl und Musik in einem wunderbaren Zusammenspiel perfekt vereint.

 

INTERESSANTES AUS UNSEREM PROGRAMMHEFT

 

Katharina, die Regentin
(Katharina von Henneberg: 1334-1397) 

 

Mit Katharinas Vermählung fiel Coburg von den Hennebergern  an die Wettiner. Katharinas Nachkommen waren die Kurfürsten von Sachsen, die Martin Luther beschützten und der Reformation zum Durchbruch verhalfen. Sie teilten sich später in viele Familienzweige auf. Einer davon ist die bedeutende Linie Sachsen-Coburg und Gotha, die Vorfahren der heutigen Windsors.

 

Argula, die Reformatorin“
(Argula von Grumbach: 1492-1568)

 

Eine einzelne Frau fordert mit einem Brief die gesamte katholische Gelehrtenschar der Universität Ingolstadt heraus: Diese möge doch mit ihr, öffentlich die Auslegung der Heiligen Schrift disputieren. Zu Lebzeiten hat Argula wenig Anerkennung erfahren, aber die Menschen spürten, dass ihre Worte die Wahrheit trafen und zur rechten Zeit kamen. Deswegen wurden ihre Briefe tausendfach gedruckt; sie wurde zu einer Bestsellerautorin ihrer Zeit.

„Anna, die Ehebrecherin“
(Anna von Sachsen: 1567-1613)
 
Durch den Prozess verlor Anna von Sachsen sowohl alle Versorgungsansprüche für den Fall, dass sie den Herzog überlebte, als auch ihre Mitgift. Sie lebte insgesamt 20 Jahre in Isolationshaft, davon viele Jahre im Fürstenbau der Veste.
Sie verstarb dort mit 45 Jahren und wurde im Kloster Sonnefeld zu Grabe getragen.
„Margareta, die Bodentantzerin“
(Margareta Ramhold: 1570-1628)
 
Von den Erben hingerichteter Frauen wurden in Coburg damals Strafgelder in Höhe von mehreren hundert Reichstalern eingezogen. Diese Gelder beglichen nicht nur die bis dahin entstandenen Kosten aus, sondern fanden dann Verwendung für städtische Belange. 
So wollte Centgraf Caspar Lang ein Inquisitionszentrum nach Bamberger Vorbild davon bauen lassen. Realisiert wurde dies aber nicht. 

Musik:

 

John Dowland (1563-1626) „Welcome Home"

John Dowland (1563-1626) „I saw my Lady weep“

Santino Garsi da Parma (um 1600) "Correnta"

Martin Luther (1483-1546) „Ein feste Burg ist unser Gott“

Martin Luther (1483-1546) „Nun kommt der Heiden Heiland"

Martin Luther (1483-1546) „Christum wir sollen loben schon"

Johann Philipp Krieger (1649-1725) „An die Einsamkeit“

Giovanni Zamboni (um 1700) „Alemanda"

Henry Purcell (1659-1695) „ When I am laid“

Besonderer Dank geht an:

 

Frau Dr. Silvia Pfister

Herrn Dr. Christian Boseckert

Förderverein Kleinkunst und Varieté im Raum Coburg

Herrn Siegfried Pecher

VR Bank

Niederfüllbacher Stiftung

Kulturförderung der Stadt Coburg

Münchner Hofbräuhaus in Coburg

Herrn Mathias Knoppe 

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